Theater am Olgaeck

Das Interview
Nach dem Film von Theo van Gogh

es ist ein Psychodrama um Schein und Sein, um Macht und Ohnmacht, um Liebe und Hass.

Katjas Apartment, mit Kissen ausgepolsterte, als ebenso teuer wie unwohnlich wirkende Barbie-Stube gestaltet, entwickelt sich zum Schauplatz einer mit allen Mitteln ausgetragenen Verbalschlacht. Das ungleiche Paar versucht sich zu beleidigen, zu verletzen, und immer wieder entpuppen sich Geständnisse und Enthüllungen als neue Finten. Und wenn sie sich dann doch küssen, folgen unvermeidlich gleich eine Abweisung und neue Angriffe.

Sie will ihm beweisen, dass sie eben nicht nur aus „Luft, Sägemehl und Silikon“ besteht. Ihre Tränen aus Liebeskummer im Nebenraum, die er interessiert belauscht, entpuppen sich als mitgesprochener Rollentext der Fernsehserie „Feine Freundinnen“. Er setzt die Narbe, die er bei einem Einsatz im Balkankrieg erlitten hat, ein, um ihr Mitleid zu wecken. So bleibt dem Zuschauer immer Unsicherheit: Welchem Geständnis darf er glauben? Im Zweifel keinem.

Sie hält ihm ihr Dekolleté unter die Nase, und er blickt zwar hin, aber vermittelt doch glaubhaft, dass er ihren körperlichen Reizen nicht verfallen wird. Immer wieder läuft er vergeblich gegen die professionelle Schutzmauer der Frau an, die ihm vermeintliche Intimitäten vorspielt. Sie kontrolliert das Geschehen und setzt alle Mittel ein: heuchelt im einen Moment das Naivchen, um ihr Gegenüber im nächsten kalt zu demütigen. Sie benutzt ihre körperliche Attraktivität ebenso wie emotionale Mittel.

Sei's, wie's wolle: Ein spannender Theaterabend, der durch die Intimität des Raumes an Intensität kaum mehr zu übertreffen ist. Aktuelles Theater vom Feinsten.

„Das Interview“ war der vorletzte Film des 2004 von einem islamistischen Fanatiker ermordeten niederländischen Regisseurs Theo van Gogh. Bei alledem verkommt das Stück nicht zu vordergründigem Politspiel, dabei thematisiert van Gogh eine der größten niederländischen Staatskrisen, den Rücktritt der Regierung, nachdem die Hintergründe des Massakers von Srebrenica von 1995 aufgedeckt wurden, bei dem niederländische UN-Soldaten tatenlos zusahen.

Regie: Marcus Helm
Schauspiel:Theresa Merz
Stefan Vitelariu

Dauer: 80 Minuten, mit Pause
Karten: 15 €, ermäßigt 12 €


 
zurück zum Menü